Ischias in der Schwangerschaft: Was Sie wissen müssen

Ischiasschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden während der Schwangerschaft. Die stechenden oder ziehenden Schmerzen können vom unteren Rücken bis ins Bein ausstrahlen und den Alltag stark beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen lassen sich die Beschwerden lindern.

Was ist der Ischiasnerv?

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der längste und dickste Nerv des Körpers. Er verläuft vom unteren Rücken durch das Gesäß und die gesamte Beinrückseite bis zum Fuß. Wird dieser Nerv gereizt oder eingeklemmt, entstehen die typischen Ischiasschmerzen.

Warum tritt Ischias in der Schwangerschaft auf?

1. Veränderte Körperhaltung

Mit wachsendem Bauch verschiebt sich der Körperschwerpunkt nach vorne. Um dies auszugleichen, gehen viele Schwangere ins Hohlkreuz. Diese veränderte Haltung kann den Ischiasnerv belasten.

2. Lockerung der Bänder

Das Hormon Relaxin bereitet den Körper auf die Geburt vor und lockert Bänder und Gelenke. Dies kann zu Instabilität im Beckenbereich führen und den Ischiasnerv reizen.

3. Druck durch das Baby

Besonders im letzten Trimester kann das wachsende Baby direkt auf den Ischiasnerv drücken. Auch die Position des Kindes spielt eine Rolle.

4. Gewichtszunahme

Das zusätzliche Gewicht belastet die Wirbelsäule und kann zu Bandscheibenproblemen führen, die wiederum den Ischiasnerv einengen können.

Typische Symptome

  • Stechende oder brennende Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäß
  • Ausstrahlung ins Bein, manchmal bis zum Fuß
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bein
  • Muskelschwäche in der betroffenen Seite
  • Verstärkung beim Sitzen, Aufstehen oder Husten
  • Einseitige Beschwerden (meist nur ein Bein betroffen)

In welcher Schwangerschaftswoche treten Beschwerden auf?

Ischiasschmerzen können grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft auftreten, sind aber besonders häufig im:

  • 2. Trimester: Durch die beginnende Gewichtszunahme
  • 3. Trimester: Wenn das Baby größer wird und mehr Druck ausübt

Übungen zur Linderung

1. Katze-Kuh-Übung

  • Auf alle Viere gehen
  • Rücken abwechselnd rund machen (Katzenbuckel) und durchhängen lassen
  • Langsam und bewusst atmen
  • 10-15 Wiederholungen

2. Piriformis-Dehnung

  • Auf den Rücken legen (im späten Stadium mit erhöhtem Oberkörper)
  • Ein Bein anwinkeln, das andere darüber legen
  • Angewinkeltes Bein sanft zum Körper ziehen
  • 30 Sekunden halten, dann Seite wechseln

3. Beckenkreisen

  • Aufrecht stehen oder auf einem Gymnastikball sitzen
  • Langsam kreisende Bewegungen mit dem Becken ausführen
  • Beide Richtungen üben
  • 1-2 Minuten

4. Seitliche Dehnung

  • Aufrecht sitzen
  • Einen Arm über den Kopf zur gegenüberliegenden Seite strecken
  • Sanfte Dehnung in der Seite spüren
  • 20-30 Sekunden halten, dann wechseln

Weitere Maßnahmen zur Linderung

Wärme

  • Wärmflasche oder warmes Kirschkernkissen auf die schmerzende Stelle
  • Warmes Bad (nicht zu heiß!)
  • Wärmende Salben (nur in Absprache mit dem Arzt)

Ruhe und Entlastung

  • Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien
  • Regelmäßige Pausen beim Stehen und Sitzen
  • Schwere Lasten vermeiden

Bewegung

  • Schwimmen (entlastet die Wirbelsäule)
  • Schwangerschaftsyoga
  • Sanfte Spaziergänge
  • Aquagymnastik für Schwangere

Hilfsmittel

  • Schwangerschaftsgürtel zur Entlastung
  • Orthopädisches Sitzkissen
  • Schwangerschaftskissen zum Schlafen

Was sollten Sie vermeiden?

  • Langes Stehen ohne Pausen
  • Langes Sitzen in ungünstiger Haltung
  • Hohe Schuhe
  • Schweres Heben
  • Ruckartige Bewegungen
  • Extreme körperliche Belastung

Wann zum Arzt oder zur Hebamme?

Suchen Sie medizinischen Rat bei:

  • Sehr starken oder zunehmenden Schmerzen
  • Taubheitsgefühl in beiden Beinen
  • Kontrollverlust über Blase oder Darm
  • Schmerzen zusammen mit Fieber
  • Keine Besserung trotz Ruhe und Übungen
  • Lähmungserscheinungen

Behandlungsmöglichkeiten

Physiotherapie

Eine auf Schwangere spezialisierte Physiotherapie kann sehr hilfreich sein. Der Therapeut zeigt gezielte Übungen und kann manuelle Techniken anwenden.

Akupunktur

Akupunktur ist während der Schwangerschaft erlaubt und kann Ischiasschmerzen effektiv lindern.

Osteopathie

Sanfte osteopathische Behandlungen können Blockaden lösen und die Beschwerden reduzieren.

Medikamente

Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Paracetamol gilt in der empfohlenen Dosis als sicher.

Prognose

Die gute Nachricht: Bei den meisten Frauen verschwinden die Ischiasschmerzen nach der Geburt von selbst. Der Druck auf den Nerv lässt nach, und die Hormone normalisieren sich wieder.

In der Zwischenzeit können Sie mit den beschriebenen Maßnahmen die Beschwerden deutlich lindern und die Schwangerschaft so angenehm wie möglich gestalten.

Fazit

Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft sind unangenehm, aber in den meisten Fällen harmlos und gut behandelbar. Regelmäßige Bewegung, gezielte Übungen und bewusste Entlastung können die Beschwerden erheblich verbessern. Bei starken oder anhaltenden Schmerzen sollten Sie jedoch immer ärztlichen Rat einholen.