Rückenschmerzen Ursachen: Warum der Rücken schmerzt
Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Etwa 80% aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben darunter. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind die Ursachen harmlos und die Schmerzen verschwinden von selbst. Hier erfahren Sie alles über die verschiedenen Rückenschmerzen Ursachen und was Sie dagegen tun können.
Arten von Rückenschmerzen
Nach Lokalisation
- Nackenschmerzen (HWS): Im Bereich der Halswirbelsäule
- Schmerzen im oberen Rücken (BWS): Brustwirbelsäule, zwischen den Schulterblättern
- Kreuzschmerzen (LWS): Lendenwirbelsäule, häufigste Lokalisation
- Steißbeinschmerzen: Im untersten Bereich
Nach Dauer
- Akute Rückenschmerzen: Weniger als 6 Wochen
- Subakute Rückenschmerzen: 6 bis 12 Wochen
- Chronische Rückenschmerzen: Länger als 12 Wochen
Nach Ursache
- Spezifische Rückenschmerzen: Eindeutig identifizierbare Ursache (ca. 15%)
- Unspezifische Rückenschmerzen: Keine eindeutige körperliche Ursache (ca. 85%)
Die häufigsten Rückenschmerzen Ursachen
1. Muskelverspannungen und muskuläre Dysbalancen
Die mit Abstand häufigste Ursache für Rückenschmerzen.
Wie entstehen Verspannungen?
- Einseitige Belastung
- Langes Sitzen (Büroarbeit)
- Bewegungsmangel
- Fehlhaltungen
- Stress und psychische Anspannung
- Kälte und Zugluft
Typische Symptome:
- Ziehende, dumpfe Schmerzen
- Verhärtete Muskulatur
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Schmerzen bei bestimmten Bewegungen
Betroffene Bereiche:
- Nacken- und Schultermuskulatur
- Rückenstrecker entlang der Wirbelsäule
- Lendenmuskulatur
- Gesäßmuskulatur
2. Bandscheibenprobleme
Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) Die Bandscheibe wölbt sich vor, der äußere Ring ist aber noch intakt.
Bandscheibenvorfall (Prolaps) Der innere Kern der Bandscheibe tritt durch den äußeren Ring aus und kann auf Nerven drücken.
Typische Symptome:
- Starke, oft plötzliche Schmerzen
- Ausstrahlung in Bein (LWS) oder Arm (HWS)
- Kribbeln, Taubheitsgefühle
- Muskelschwäche
- Verstärkung beim Husten, Niesen, Pressen
Risikofaktoren:
- Alter (Bandscheiben verlieren Flüssigkeit)
- Übergewicht
- Schwere körperliche Arbeit
- Häufiges Heben
- Genetische Veranlagung
3. Verschleiß (Degenerative Veränderungen)
Arthrose der Wirbelgelenke (Spondylarthrose) Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke.
Osteochondrose Verschleiß von Bandscheiben und angrenzenden Wirbelkörpern.
Spinalstenose (Wirbelkanalverengung) Der Wirbelkanal verengt sich und drückt auf das Rückenmark oder Nerven.
Typische Symptome:
- Schleichend zunehmende Schmerzen
- Morgensteifigkeit
- Besserung durch Bewegung
- Bei Stenose: Schmerzen beim Gehen, Besserung beim Vorbeugen
4. Fehlhaltungen und Fehlstellungen
Hohlkreuz (Hyperlordose) Übermäßige Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne.
Rundrücken (Kyphose) Verstärkte Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten.
Skoliose Seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule.
Beckenschiefstand Unterschiedliche Beinlängen oder muskuläre Dysbalancen.
5. Hexenschuss (Lumbago)
Plötzlicher, stechender Schmerz im unteren Rücken.
Auslöser:
- Ungeschickte Bewegung
- Heben schwerer Lasten
- Verdrehen der Wirbelsäule
- Kälte
Typisch:
- Schmerzen “wie ein Messerstich”
- Bewegungsblockade
- Schonhaltung
- Meist harmlos, verschwindet nach Tagen
6. Ischialgie (Ischiasschmerzen)
Der Ischiasnerv wird gereizt oder eingeklemmt.
Ursachen:
- Bandscheibenvorfall
- Muskelverspannung (Piriformis-Syndrom)
- Wirbelkanalverengung
- Schwangerschaft
Symptome:
- Schmerzen vom Gesäß ins Bein ausstrahlend
- Kribbeln oder Taubheit
- Manchmal Muskelschwäche
- Verstärkung beim Sitzen
7. Psychosomatische Ursachen
Rückenschmerzen können auch durch psychische Faktoren entstehen oder verstärkt werden.
Risikofaktoren:
- Chronischer Stress
- Depression und Angststörungen
- Unzufriedenheit am Arbeitsplatz
- Katastrophisieren des Schmerzes
- Schonverhalten
Schmerzgedächtnis: Bei chronischen Schmerzen kann sich ein “Schmerzgedächtnis” entwickeln. Das Nervensystem wird überempfindlich und meldet Schmerz, obwohl keine akute Schädigung vorliegt.
8. Entzündliche Ursachen
Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) Chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule.
Hinweise:
- Schmerzen in Ruhe und nachts
- Morgensteifigkeit über 30 Minuten
- Besserung durch Bewegung
- Beginn vor dem 40. Lebensjahr
Rheumatoide Arthritis Kann auch die Wirbelsäule betreffen.
9. Andere Erkrankungen
Osteoporose Knochenschwund kann zu Wirbelkörperbrüchen führen.
Tumore Selten, aber möglich. Warnsignale: Nächtliche Schmerzen, Gewichtsverlust, Fieber.
Erkrankungen innerer Organe Schmerzen können in den Rücken ausstrahlen:
- Nierensteine oder Nierenbeckenentzündung
- Bauchspeicheldrüsenprobleme
- Aortenaneurysma
- Herzinfarkt (eher Frauen)
Risikofaktoren für Rückenschmerzen
Lebensstil:
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Rauchen (schlechtere Durchblutung der Bandscheiben)
- Schwere körperliche Arbeit
- Langes Sitzen
Psychische Faktoren:
- Stress
- Depression
- Angst
- Unzufriedenheit
Körperliche Faktoren:
- Schwache Rumpfmuskulatur
- Fehlhaltungen
- Frühere Rückenschmerzen
- Genetische Veranlagung
Wann zum Arzt?
Sofort zum Arzt bei:
- Lähmungserscheinungen oder Taubheit in beiden Beinen
- Störung der Blasen- oder Darmfunktion
- Rückenschmerzen nach Unfall oder Sturz
- Schmerzen mit hohem Fieber
Zeitnah zum Arzt bei:
- Schmerzen, die länger als 6 Wochen anhalten
- Zunehmende Schmerzen trotz Behandlung
- Ausstrahlung in Arm oder Bein mit Taubheit
- Nächtliche Schmerzen, die den Schlaf stören
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Bekannte Osteoporose oder Tumorerkrankung
Diagnostik
Anamnese und körperliche Untersuchung:
- Lokalisation und Art des Schmerzes
- Beweglichkeitsprüfung
- Neurologische Tests
- Muskelfunktion
Bildgebung (nur bei Warnsignalen oder länger als 6 Wochen):
- Röntgen: Knochen, Fehlstellungen
- MRT: Bandscheiben, Weichteile, Nerven
- CT: Detaillierte Knochenstruktur
Wichtig: Viele Befunde in bildgebenden Verfahren (z.B. Bandscheibenvorwölbungen) sind “Zufallsbefunde” und verursachen keine Schmerzen.
Behandlung von Rückenschmerzen
Akute Phase
Medikamente:
- Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol, ASS)
- Muskelrelaxantien bei starken Verspannungen
- Bei starken Schmerzen: kurzfristig stärkere Schmerzmittel
Wichtig: Bettruhe vermeiden! Bewegung im schmerzfreien Bereich ist besser.
Wärme:
- Wärmflasche, Kirschkernkissen
- Wärmepflaster
- Warmes Bad
Langfristige Behandlung
Physiotherapie:
- Manuelle Therapie
- Krankengymnastik
- Kräftigung der Rumpfmuskulatur
- Dehnung verkürzter Muskeln
Bewegung:
- Regelmäßiger Ausdauersport
- Rückenschule
- Yoga, Pilates
- Schwimmen (besonders Rückenschwimmen)
Ergonomie:
- Rückengerechter Arbeitsplatz
- Richtige Hebe- und Tragetechnik
- Gute Matratze
Psychologische Ansätze:
- Stressmanagement
- Entspannungsverfahren
- Verhaltenstherapie bei chronischen Schmerzen
Übungen zur Vorbeugung und Linderung
Die Rückenmuskulatur und die Bauchmuskulatur sind Gegenspieler - beide müssen trainiert werden.
Übung 1: Katzenbuckel
- Vierfüßlerstand
- Rücken abwechselnd rund machen und durchhängen lassen
- Langsam und bewusst atmen
- 10-15 Wiederholungen
Übung 2: Brücke (Beckenheben)
- Rückenlage, Beine angewinkelt aufgestellt
- Becken anheben, bis Oberschenkel und Rumpf eine Linie bilden
- Position kurz halten
- Langsam absenken
- 10-15 Wiederholungen
Übung 3: Unterarmstütz (Plank)
- Unterarme und Zehenspitzen aufstützen
- Körper bildet eine gerade Linie
- Spannung halten
- 20-60 Sekunden, 3 Wiederholungen
Übung 4: Seitlicher Unterarmstütz
- Auf einen Unterarm stützen, Körper seitlich
- Hüfte anheben
- Gerade Linie halten
- 20-30 Sekunden pro Seite
Übung 5: Rückenstrecker
- Bauchlage
- Arme und Beine gleichzeitig leicht vom Boden abheben
- Spannung kurz halten
- 10-15 Wiederholungen
Übung 6: Dehnung der Hüftbeuger
- Ausfallschritt
- Hinteres Knie Richtung Boden senken
- Aufrechter Oberkörper
- 30 Sekunden pro Seite
Vorbeugung: So bleibt der Rücken gesund
Bewegung:
- Mindestens 30 Minuten täglich
- Ausdauer und Kraft kombinieren
- Sitzpausen einlegen
- Treppen statt Aufzug
Haltung:
- Aufrecht sitzen und stehen
- Lasten körpernah tragen
- Aus den Knien heben
- Bildschirm auf Augenhöhe
Lebensstil:
- Normalgewicht halten
- Nicht rauchen
- Stress reduzieren
- Ausreichend Schlaf
Arbeitsplatz:
- Höhenverstellbarer Schreibtisch
- Ergonomischer Stuhl
- Regelmäßige Pausen
- Wechsel zwischen Sitzen und Stehen
Fazit
Rückenschmerzen haben viele Ursachen, sind aber in den meisten Fällen harmlos. Das Wichtigste: In Bewegung bleiben! Langes Schonen verschlimmert die Beschwerden oft. Mit regelmäßigem Training der Rumpfmuskulatur, einem rückenfreundlichen Alltag und Stressmanagement können Sie Rückenschmerzen effektiv vorbeugen. Bei anhaltenden Beschwerden oder Warnsignalen sollte jedoch ein Arzt die Ursache abklären.