Diabetes und die Augen: Eine unterschätzte Gefahr
Diabetes mellitus ist nicht nur eine Stoffwechselerkrankung - er kann auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Augen haben. Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Erblindungsursachen in Deutschland. Umso wichtiger ist es, die Symptome früh zu erkennen und regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.
Wie schädigt Diabetes die Augen?
Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die feinen Blutgefäße im ganzen Körper - auch die in den Augen. In der Netzhaut (Retina) führt dies zu:
- Schädigung der Gefäßwände: Die kleinen Blutgefäße werden brüchig
- Austreten von Flüssigkeit: Flüssigkeit und Blut sickern ins Gewebe
- Minderdurchblutung: Teile der Netzhaut werden nicht mehr ausreichend versorgt
- Neubildung krankhafter Gefäße: Der Körper versucht, die Durchblutung zu kompensieren
Diabetische Augenerkrankungen im Überblick
1. Diabetische Retinopathie
Die häufigste diabetische Augenerkrankung betrifft die Netzhaut (Retina).
Nicht-proliferative Retinopathie (Frühstadium)
- Gefäßaussackungen (Mikroaneurysmen)
- Kleine Blutungen in der Netzhaut
- Fettablagerungen (harte Exsudate)
- Meist noch keine Sehstörungen
Proliferative Retinopathie (fortgeschritten)
- Neubildung krankhafter Blutgefäße
- Glaskörperblutungen
- Netzhautablösung möglich
- Ernsthaftes Erblindungsrisiko
2. Diabetisches Makulaödem
Die Makula ist der Punkt des schärfsten Sehens. Bei einem Makulaödem sammelt sich Flüssigkeit in diesem Bereich:
- Verschwommenes Sehen
- Verzerrtes Sehen
- Probleme beim Lesen
- Farbsehstörungen
3. Grauer Star (Katarakt)
Diabetiker entwickeln häufiger und früher einen Grauen Star. Die Linse trübt sich ein und das Sehen wird zunehmend unscharf.
4. Grüner Star (Glaukom)
Diabetes erhöht das Risiko für ein Glaukom. Der erhöhte Augeninnendruck schädigt den Sehnerv und kann zur Erblindung führen.
Symptome diabetischer Augenprobleme
Frühe Warnzeichen
- Verschwommenes Sehen: Besonders bei schwankenden Blutzuckerwerten
- Fliegende Mücken: Dunkle Punkte oder Fäden im Gesichtsfeld
- Schwankende Sehschärfe: Die Brille scheint mal zu passen, mal nicht
- Probleme beim Lesen: Buchstaben verschwimmen
Fortgeschrittene Symptome
- Dunkle Flecken oder Schatten im Gesichtsfeld
- Blitzartiges Aufleuchten
- Plötzliche Sehverschlechterung
- Verzerrtes Sehen: Gerade Linien erscheinen wellig
- Farbwahrnehmungsstörungen
- Nachtblindheit oder verstärkte Blendempfindlichkeit
Risikofaktoren für diabetische Augenprobleme
- Dauer des Diabetes: Je länger, desto höher das Risiko
- Schlecht eingestellter Blutzucker: Hohe HbA1c-Werte
- Bluthochdruck: Verstärkt die Gefäßschäden
- Hohe Blutfettwerte
- Rauchen: Schädigt zusätzlich die Gefäße
- Schwangerschaft bei bestehendem Diabetes
- Genetische Veranlagung
Diagnose
Der Augenarzt kann diabetische Augenschäden erkennen, bevor Symptome auftreten:
- Funduskopie: Untersuchung des Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Detaillierte Schichtaufnahme der Netzhaut
- Fluoreszenzangiographie: Darstellung der Netzhautgefäße mit Kontrastmittel
- Augeninnendruckmessung: Zum Ausschluss eines Glaukoms
Behandlungsmöglichkeiten
Bei nicht-proliferativer Retinopathie
- Optimale Blutzuckereinstellung: Der wichtigste Faktor
- Blutdruckkontrolle: Zielwert unter 140/90 mmHg
- Regelmäßige Kontrollen: Alle 6-12 Monate
Bei fortgeschrittener Retinopathie
- Laserbehandlung: Veröden krankhafter Gefäße
- Intravitreale Injektionen: Medikamente direkt ins Auge (Anti-VEGF, Kortison)
- Vitrektomie: Operative Entfernung des Glaskörpers bei Blutungen
Bei Makulaödem
- Anti-VEGF-Injektionen: Reduzieren Gefäßneubildung und Flüssigkeitsaustritt
- Laserbehandlung: Bei bestimmten Formen
- Kortison-Implantate: Als Alternative
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Augen
Blutzucker kontrollieren
- HbA1c-Wert unter 7% halten (individuelles Ziel mit dem Arzt besprechen)
- Regelmäßige Blutzuckermessung
- Medikamente zuverlässig einnehmen
Blutdruck und Blutfette
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren
- Cholesterinwerte im Normalbereich halten
- Gesunde Ernährung
Lebensstil
- Nicht rauchen
- Regelmäßige Bewegung
- Gesundes Körpergewicht
Regelmäßige Vorsorge
- Augenärztliche Untersuchung mindestens einmal jährlich
- Bei bestehenden Veränderungen häufiger
- Auch ohne Symptome zur Kontrolle gehen
Wann sofort zum Arzt?
Suchen Sie sofort einen Augenarzt oder eine Notaufnahme auf bei:
- Plötzlichem Sehverlust
- Vielen neuen schwarzen Punkten im Gesichtsfeld
- Lichtblitzen im Auge
- “Vorhang” oder Schatten, der sich über das Gesichtsfeld legt
- Plötzlicher starker Sehverschlechterung
Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung können schwere Sehschäden oft verhindert werden. Die wichtigsten Faktoren sind:
- Gute Blutzuckereinstellung
- Regelmäßige Augenkontrollen
- Frühzeitige Behandlung bei Veränderungen
Fazit
Diabetes ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Augengesundheit. Die gute Nachricht: Durch gute Blutzuckerkontrolle und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen lassen sich schwere Augenschäden oft vermeiden oder zumindest verlangsamen. Gehen Sie mindestens einmal jährlich zum Augenarzt - Ihre Sehkraft wird es Ihnen danken.